Kehl

Hühnerbund II

Neubauquartier

(2020-2021)

Auftraggeber

Stadt Kehl (Baden-Württemberg)

Projektgebiet

Neubauquartier mit 1,6ha und 35 WE + 3 kommunale Bestandsgebäude

Leistungen

Potentialstudie, BAFA-geförderte Machbarkeitsstudie Wärmenetzsysteme 4.0, BAFA-geförderte Energieberatung für Nichtwohngebäude

Herausforderung

Klimaschutzmanager Max Pfuhler von der Stadt Kehl formuliert das Ziel mit klaren Worten: „Die Stadt Kehl möchte in den nächsten Jahren ihre Klimabilanz deutlich verbessern und vor allem den Verbrauch von Öl und Gas drastisch senken“. Mit dem Pilot- und Vorzeigeprojekt „Hühnerbünd II“ möchte man hier nun ein erstes Zeichen setzen. Das Neubaugebiet im Ortskern des Stadtteils Neumühl soll klimaneutral mit Wärme versorgt werden, um damit neuen und zukunftsgerechten Wohnraum für die Bürgerinnen und Bürger zu schaffen.

Eine besondere Herausforderung dieses Projektes stellen dabei vier Bestandsgebäude im unmittelbaren Umfeld des Neubaugebietes dar: eine alte Schule, eine Mehrzweckhalle, eine Kinderakademie und das alte Rathaus. Diese teilweise über 100 Jahre alten und unsanierten Gebäude sollen, wenn möglich, ebenfalls an das Nahwärmenetz mit angebunden werden.

Begehung mit (von links) Energiemanager Max Pfuhler, sowie Christian Hug und Roland Reiter vom Partnernetzwerk Klimaneutrale Energiekonzepte

Konzept

Das Versorgungskonzept beinhaltet:

  • Grundwasserbrunnen
  • warmes und heißes Nahwärmenetz
  • zentrale Wärmepumpen und Spitzenlastgaskessel für Wärme und Kälte
  • gebäudeindividuelle Booster-Wärmepumpen und PV-Anlagen
  • Effizienzhausstandard: mind. EH 55

Klimaneutralität: Das Projektgebiet wird weitgehend klimaneutral mit Wärme und Strom versorgt.

Plan "Ehemalige Brauerei Wormser Straße" in Mainz

Bauplan „Hühnerbund II“ in Kehl

Umsetzung

Gemeinsam mit dem Partnernetzwerk Klimaneutrale Energiekonzepte wurde schäffler sinnogy von der Stadt Kehl beauftragt, eine BAFA-geförderte Machbarkeitsstudie für das Neubaugebiet in Verbindung mit den kommunalen Bestandsgebäuden durchzuführen. Ergänzend sollte untersucht werden, wie die vier Bestandsgebäude saniert und an das Wärmenetz des Neubaugebiets angebunden werden könnten. Auch hierzu konnten bei der BAFA Fördermittel beantragt werden. 

Die ersten hydrogeologischen Untersuchungen zeigten, dass das Gebiet ein ausgezeichnetes Grundwasserpotential aufweist, um das ganze Quartier mit Quellwärme zu versorgen. Grundwasser bietet im Vergleich zu anderen Wärmequellen viele Vorteile: es ist ganzjährig nutzbar, günstig, benötigt wenig Platz und kann im Sommer zur kostenfreien Kühlung verwendet werden. Ein Pilotbrunnen bestätigte dann die Daten und darum wurde Grundwasser als Wärmequelle für die Versorgungsvarianten festgelegt.

Die alte Schule

Die detaillierte Untersuchung der Bestandsgebäude zeigte, dass aufwendige Dämm- und Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden müssten, um diese Gebäude fit für ein kaltes Nahwärmenetz zu machen. Zwei der Gebäude sind nämlich bereits über 100 Jahre alt und stehen unter Denkmalschutz. Dämmmaßnahmen an der Gebäudehülle sind daher kaum möglich. Auch die beiden anderen Gebäude, die aus den 1960ern stammen, verfügen ebenfalls nur über eine schlechte Wärmedämmung.

Doch die Gebäude bieten auch interessante Potentiale. So verfügt die alte Mehrzweckhalle über ein Dach, auf dem eine große PV-Anlage installiert werden kann. Gleichzeitig bietet der Heizungskeller ausreichend Platz, um eine Heizzentrale inkl. Pufferspeicher aufzubauen, so dass vorrangig der Sonnenstrom vom eigenen Dach genutzt werden kann.

Die Mehrzweckhalle

Dies alles sprach für ein sogenanntes „warmes Nahwärme-Konzept“. Dabei wird das Grundwasser ausschließlich in eine Heizzentrale geleitet und dort von großen Wärmepumpen zentral auf ein mittleres Temperaturniveau von ca. 35 bis 40 °C aufgeheizt. Diese Wärme wird dann an die Gebäude verteilt und kann dort direkt für die Fußbodenheizung genutzt werden. Dadurch kann das Wärmenetz witterungsgeführt gefahren und im Sommer auch zur Kühlung genutzt werden. Das Brauchwasser wiederum wird in den Gebäuden vor Ort durch sogenannte „Booster“-Wärmepumpen erzeugt, die das Wärmenetz als Quelle nutzen.

Die Kinderakademie

Die Bestandsgebäude hingegen brauchen eine noch höhere Vorlauftemperatur. Daher wurden sie an ein separates Netz angebunden, zumindest so lange, bis sie saniert sind. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Machbarkeitsstudie beauftragte die Stadt Kehl dann Ende 2021 ihre Tochter, die Wärmegesellschaft Kehl, einen BAFA-Antrag für das Fördermodul 2 (Realisierungsförderung) einzureichen. Die Erschließung des Neubaugebiets, inklusive Ausbau der Quellenanlagen und der Heizzentrale, soll dann nach der Vorlage des Bewilligungsbescheids starten.

Das alte Rathaus

Förderung

Die Förderung der Planungs- und Investitionskosten erfolgt durch das BAFA-Förderprogramm Wärmenetzsysteme 4.0. Die Beratungskosten wurden durch das BAFA-Programm EBN gefördert.

geplantes Fördervolumen ca.

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