Neue Konzepte braucht es für eine zukunftstaugliche Stadtentwicklung. Energieeffiziente Neubaugebiete sind klimaneutral oder erzeugen sogar mehr Strom und Wärme, als ihre Bewohnerinnen und Bewohner verbrauchen. Unser aktuelles White-Paper „Klimaneutrale Energieversorgung“ zeigt auf, wie die intelligente Vernetzung erneuerbarer Energiequellen Stadtquartiere und Kommunen zukunftsfähig macht.

Ohne eine deutliche Minderung der CO2-Emissionen im Gebäudesektor sind die Klimaschutzziele von Paris nicht zu erreichen. Einerseits muss hierfür der Gebäudebestand einer ambitionierten energetischen Ertüchtigung unterzogen werden. Andererseits entstehen immer noch in vielen Städten und Gemeinden Neubaugebiete. Diese Quartiere eröffnen enorme Chancen, Gebäude, Wohngebiete und ganze Stadtquartiere von Anfang an so zu planen, dass sie die benötigte Energie für Wärme, Strom und gegebenenfalls auch Mobilität vor Ort nachhaltig und klimafreundlich erzeugen.

Dennoch setzen viele Kommunen, Bauträger und Projektentwickler*innen auch im Neubau weiterhin auf fossile Brennstoffe, vor allem auf Erdgas. Kurzfristig gedacht erscheint dies oftmals preiswerter und einfacher zu planen. Ist ein solches Quartier jedoch erst einmal gebaut, verbraucht es über Jahrzehnte weiterhin fossile Brennstoffe und emittiert Treibhausgase. Dies ist nicht nur in Sachen Klimaschutz verheerend – es unterliegt auch Kosten- und Marktrisiken.

  • Steigende Klimafolgekosten: Zwar hat die Bundesregierung in ihrem Klimapaket einen CO2-Preis von lediglich 10 Euro pro Tonne im Jahr 2021 festgelegt, der bis 2025 auf 60 €/t ansteigen soll – doch dabei wird es nicht bleiben. Das Umweltbundesamt rechnet mit Klimafolgekosten von mindestens 180 €/t. Bei einem gasbeheizten Mehrfamilienhaus sind dies rund 1.700 Euro pro Jahr, die zusätzlich anfallen.
  • Abhängigkeit von internationalen Energiemärkten: Fossile Brennstoffe stammen größtenteils aus Ländern mit instabilen oder diktatorischen Regimes. Krieg, Terror und Handelskonflikte machen die Versorgung mit Öl und Gas zunehmend unsicher. Eine (zumindest bilanziell) autarke Versorgung mit regenerativen Energien, produziert im direkten Wohnumfeld, macht unabhängig von den Verwerfungen der internationalen Märkte.
  • Sinkender Marktwert: Die obengenannten Kostenrisiken werden sich auch auf den Immobilienmärkten niederschlagen. Selbst wenn sich noch nicht genau abschätzen lässt, wie Käufer und Investor*innen reagieren, ist zu erwarten, dass fossil beheizte Gebäude in Zukunft an Wert verlieren.

Wärme und Strom klimafreundlich erzeugen

Klimaneutralität im Gebäudesektor ist möglich, schafft Unabhängigkeit von Preissteigerungen und ist somit zukunftssicher. Zahlreiche Projekte zeigen, wie „Energiewendebauen“ geht – beispielsweise unsere Energiekonzepte für ein klimaneutrales Neubaugebiet in Schlier oder den geplanten Freiburger Stadtteil Dietenbach mit 6.500 Wohnungen, Gewerbe und öffentlichen Gebäuden.

Klimaneutrale Wärmequellen sind dabei Solarthermie, Erdwärme, Grundwasserwärme sowie Fluss- bzw. Seewasserwärme. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie natürlichen Ursprungs sind und vor Ort gewonnen werden. Hinzu kommen technische Wärmequellen, wie die Abwärme von Gewerbe und Industrie sowie Abwasserwärme. Diese können im Quartier selbst anfallen oder von außerhalb kommen.

Bei einem Temperaturniveau von 5 bis 15 Grad Celsius sind diese Wärmequellen jedoch nicht direkt für Heizung und Warmwasser nutzbar. Mittels elektrischer Wärmepumpen lässt sich die Temperatur leicht auf das in gut gedämmten Neubauten erforderliche Niveau anheben. Man spricht von „kalten Nahwärmenetzen“. Die nächste Herausforderung ist es nun, den für die Wärmepumpen benötigten Strom – zusätzlich zu Haushaltsstrom und eventuell Elektromobilität – auch regenerativ vor Ort zu produzieren.

Herausforderung Stromerzeugung

Gerade in dichtbesiedelten Gebieten mit Geschosswohnungsbau, Gewerbe und öffentlichen Gebäuden scheint es schwierig bis unmöglich, all den benötigten Strom selbst zu erzeugen. Die Klimaneutralität soll ja schließlich nicht durch Wasserkraftstrom aus Norwegen nur „erkauft“ werden. Im Strombereich gilt daher die bilanzielle Autonomie: Über das gesamte Jahr gesehen muss der komplette Strombedarf auf oder an den Gebäuden selbst erzeugt werden. Sommerliche Überschüsse lassen sich dabei mit winterlichen Importen verrechnen.

PVT-Kollektoren kombinieren hierfür Photovoltaik und Solarthermie: Auf der Vorderseite gewinnen sie Sonnenstrom, die Rückseite dient der solaren Wärmeproduktion. So lassen sich die begrenzten Dach- und Fassadenflächen optimal ausnutzen, sogar eine Dachbegrünung ist gleichzeitig möglich. Zahlreiche Beispiele aus der Praxis zeigen, wie es geht.

sinnogy klimabilanzierung

Detailliertere Informationen zur Planung von klimaneutralen Energiekonzepten finden Sie in unserem aktuellen White-Paper „Klimaneutrale Energieversorgung“. Dieses erläutert auch Maßnahmen für den Gebäudebestand, weitere Vorteile der kalten Nahwärme, enthält Tipps für das optimale Vorgehen sowie zu Fördermöglichkeiten. Zusätzlich bieten wir eine Reihe von Video-Tutorials zu verschiedenen Themen und Beispielprojekten an. Oder kontaktieren Sie uns einfach unter energieberatung(at)sinnogy.de oder telefonisch unter 0761 – 2055 1470.