Bild: Kasten Architekten

Mit dem Neubaugebiet Buchwald möchte die Stadt Aulendorf, nördlich von Ravensburg gelegen, ein neues Kapitel in seiner Stadtentwicklung aufschlagen. Die Stadt plant ein Neubaugebiet vollständig klimaneutral mit Energie zu versorgen und hat hierfür bei schäffler sinnogy eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Kurz vor dem Abschluss der ersten Stufe der Machbarkeitsstudie sprechen wir mit Matthias Burth, seit 2008 Bürgermeister der Stadt, über die Hintergründe des Projektes. Er berichtet uns von seiner Motivation, seinen Praxiserfahrungen und seinen Erfahrungen, die für andere Städte und Gemeinden, die ebenfalls eine klimaneutrale Energieversorgung umsetzen wollen, hilfreich sein könnten.

Matthias Burth, Bürgermeister Stadt Aulendorf

Herr Burth, seit 2008 sind Sie als Bürgermeister der Stadt Aulendorf im Amt. Warum haben Sie sich für diese Arbeit entschieden und was reizt Sie daran?

Eigentlich war mein Weg zum Bürgermeister ein schleichender Prozess. Über viele Jahre war ich erst als Amtsleiter in kleineren Kommunen tätig. Doch im Lauf der Zeit wuchs in mir der Wunsch nach mehr Verantwortung und Gestaltungsspielraum, um so die erfolgreiche Entwicklung einer Kommune noch stärker vorantreiben zu können. Gleichzeitig suchte ich auch räumlich nach einer neuen Herausforderung. Und mit der Entscheidung für die Stadt Aulendorf sind sowohl meine Frau als auch ich mehr als glücklich.

Vor welchen Herausforderungen steht Aulendorf in Bezug auf Wohnraum?

Wir sind eine typische Flächengemeinde in Oberschwaben mit knapp über 10.000 Einwohnern. Dank zwei großer Kliniken sind wir ein wichtiger Gesundheitsstandort in der Region und unser Knotenbahnhof ist der einzige in der Region zwischen Ulm und Friedrichshafen. Das macht den Standort Aulendorf sehr attraktiv und so spüren wir eine hohe Nachfrage nach Bauplätzen, vor allem von jungen Paaren und Familien. Der Bedarf nach Wohnraum kommt aber nicht nur von außen, auch viele Einheimische möchten gerne hierbleiben und Baugrund erwerben. Aus diesem Grund ist unser geplantes Neubaugebiet Buchwald mit über 30 Einfamilienhäusern, zahlreichen Kettenhäusern und drei Mehrfamilienhäusern ein ganz wichtiger Baustein in unserer Stadtentwicklung.

Woher kam die Idee das Neubaugebiet mit klimaneutraler Energie zu versorgen?

Seit 2006 beteiligt sich unsere Stadt nun schon an den European Energy Awards, bei denen dieses Jahr auch wieder unsere Rezertifizierung ansteht. Ein eigenes Energie-Team beschäftigt sich bei uns schon seit vielen Jahren intensiv mit Fragen zur Energieeinsparung, Klimaneutralität und CO2-Bilanz. Für uns war klar: Bei der Ausweisung eines neuen Baugebietes möchten wir ebenfalls unseren Beitrag zu einer klimaneutraleren Gesellschaft leisten. Unser Blick fiel dabei auf unsere Nachbarn und die Gemeinde Schlier, die gerade ein ähnliches Projekt umsetzt. Hier habe ich mich direkt mit meiner Bürgermeisterkollegin Katja Liebmann ausgetauscht und schon bald war uns klar, dass auch wir mit einem klimaneutralen Baugebiet eine Vorbildrolle übernehmen möchten.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat aus und welches Wissen war zu dem Thema bereits bei Ihnen vorhanden?

Wir alle waren uns in der Zielsetzung einig: Wir möchten den klimaneutralen Weg gemeinsam gehen. Natürlich haben wir dann aber ausführlich diskutiert, wie dieser Weg genau aussieht und ob wir zum Beispiel eine gemeinschaftliche oder eine individuelle Lösung bevorzugen. Diese Diskussionen sind auch immer noch im Gange, aber das gemeinsame Ziel haben wir alle stets klar vor Augen. Uns war von Anfang an aber auch bewusst, dass wir bei diesem Projekt fachliche Unterstützung benötigen. Klimaneutralität ist ja erst einmal nur ein Schlagwort. Entscheidend ist, dass man am Ende ein tatsächlich funktionierendes System erhält. Und zwar eines, das nicht nur technisch, sondern vor allem auch wirtschaftlich funktioniert. Sowohl für die Kommune als auch für die Menschen, die später in dem Neubaugebiet wohnen werden. Das sind komplexe Fragestellungen, mit denen wir uns bis dato nur selten beschäftigt hatten und so wurde schnell deutlich, dass wir uns die nötige Unterstützung und das Knowhow von außen holen mussten.

Wie sahen dann Ihre ersten Schritte aus?

Wir haben uns als Erstes nach einem passenden Fachbüro umgeschaut und stießen so schnell auf schäffler sinnogy. Im ersten Schritt wurde von schäffler sinnogy in einer Potentialstudie erst einmal abgeschätzt, ob eine klimaneutrale Energieversorgung für unser Baugebiet überhaupt in Frage kommt. Die Ergebnisse der Potentialstudie wurden dann von schäffler sinnogy dem Gemeinderat präsentiert, gemeinsam mit sehr viel interessantem Knowhow zum Thema. Auf dieser Basis haben wir dann die Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Wie sehen Sie die Zukunft des Projektes?

Im Juni werden die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie dem Gemeinderat präsentiert und ich bin sehr optimistisch, dass wir grünes Licht für die Weiterführung des Projektes geben werden. Genauso optimistisch bin ich, dass wir nicht nur für die Stadt als Entwicklungsträger, sondern auch für die zukünftigen Bewohner eine wirtschaftlich gute Lösung hinbekommen. Wenn wir allein die politischen Entwicklungen der letzten Monate sehen, den Anstieg der Energiepreise und die Information, dass Gasversorger keine weiteren Neubaugebiete mehr erschließen werden, dann ist die Entscheidung für eine klimaneutrale Energieversorgung nur folgerichtig. Es muss unser Ziel sein vor allem auch zukünftige Generationen nicht unnötig zu belasten.

Welche Ratschläge haben Sie für andere Städte und Gemeinden, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen eine klimaneutrale Energieversorgung umzusetzen?

Entscheidend ist, sich frühzeitig Gedanken zu machen, ob man diesen Weg gehen will. Hier ist eine klare Entscheidung wichtig und dann sollte man sich frühzeitig mit einem kompetenten Fachbüro zusammensetzen und sich beraten lassen. Ein wenig Geduld sollte man auch mitbringen, denn manchmal dauert es schon ein wenig, bis die nötigen Bewilligungsbescheide da sind. Doch gerade für uns Kommunen ist es wichtig, dass wir ein Zeichen setzen und eine Vorbildfunktion einnehmen, gerade bei einem so wichtigen Thema wie der Klimaneutralität. Und so sind wir dann vielleicht ja auch Inspiration für die privaten Häuslebauer, denn wir müssen alle gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft sorgen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Stadt Aulendorf erhalten Sie auf www.aulendorf.de
Visualisierung zur Verfügung gestellt von Kasten Architekten

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